Das Vikariat

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs und die Pommersche Evangelische Kirche haben am 1. September 2005 einen gemeinsamen Vorbereitungsdienst für Pastorinnen und Pastoren / Pfarrerinnen und Pfarrer begonnen. Das gemeinsame Predigerseminar der beiden Landeskirchen ist in Ludwigslust. Dieser gemeinsame Vorbereitungsdienst wird gemäß der Vereinbarung der beiden Landeskirchen in Kooperation mit der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche gestaltet. Das Vikariat beginnt in allen drei Landeskirchen am 1. September eines Jahres und dauert in der ELLM und PEK 30 Monate (bis zum 28. Februar des überübernächsten Jahres).

Ein wichtiger Ort im Vikariat ist das Kirchliche Bildungshaus in Ludwigslust, in dem das Predigerseminar und das Theologisch-Pädagogische Institut und der Pastor für Fort- und Weiterbildung unter einem Dach arbeiten. Damit verbindet sich die große Chance, dass künftige GemeindepädagogInnen und PastorInnen dieser Kirchen, ErzieherInnen Ev. Kindertagesstätten, MitarbeiterInnen im Verkündigungsdienst, Ev. ReligionslehrerInnen, gemeindepädagogische MitarbeiterInnen und PastorInnen, die schon im Dienst sind, sich kennen lernen, dass Berufsbilder profiliert werden und durch einzelne Projekte die Kooperationsfähigkeit unter hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gefördert wird.

Die Ausbildung im Vorbereitungsdienst soll den Vikarinnen und Vikaren helfen, folgende Kompetenzen für den Dienst eines Pastors/ einer Pastorin zu entwickeln:

  • Sachkompetenz, theologisch-pastorale und pädagogische Fähigkeiten und Fertigkeiten
  • Selbstkompetenz, reflektierter und konstruktiver Umgang mit den eigenen Stärken und Schwächen
  • Sozialkompetenz, Kommunikations-, Team- und Konfliktfähigkeit
  • Spirituelle Kompetenz, eine kommunizierbare geistliche Lebensform für sich entwickeln und andere darin anleiten können
Nordelbisch - pommersch - mecklenburgischer Imbiß im Treppenhaus (VDK 06/09 mit der Gruppe Süd aus der NEK)
Kurs VDK 07/10 nach dem Gottesdienst zur Einführung am 02.09.07

Die Grundstrukturen des kooperativen Ausbildungsmodells

Die Grundstrukturen des kooperativen Ausbildungsmodells der ELLM und PEK gemeinsam mit der NEK entsprechen dem. Die Ausbildung erfolgt an drei unterschiedlichen „Orten“, an denen auf jeweils spezifische Weise Theorie und Praxis aufeinander bezogen werden:

  • den Praxisfeldern
  • in der Region
  • dem Predigerseminar

Die Phasen im Ausbildungsmodell der ELLM und PEK

ausbildungsmodell.pdf

Die Praxisfelder:

Kirchgemeinde und Schule sind die Orte, an denen Vikare und Vikarinnen praktische Erfahrungen und Kompetenzen erwerben. Die Mentorin/ der Mentor in der Gemeinde und die Schulmentorin/der Schulmentor sind diejenigen Personen unter deren Anleitung die Vikarin/der Vikar erste Schritte im Praxisfeld unternimmt und reflektiert. Auf diese Weise werden die VikarInnen zunächst in schulischer und dann in gemeindlicher Praxis vor Ort Lernerfahrungen machen. Wo immer dies möglich ist, werden die VikarInnen in und mit der Gemeinde leben und schließlich Aufgaben auf allen Gebieten des pastoralen Dienstes übernehmen. Sie werden am gemeindlichen Leben teilnehmen und es selbstverantwortlich mitgestalten und dabei allmählich in Aufnahme und Abgrenzung zu ihrer Mentorin/ihrem Mentor eine eigene pastorale Identität entwickeln. Das exemplarische Lernen steht dabei im Vordergrund, d.h. es kommt dabei nicht so sehr darauf an, dass sie in Schule und Gemeinde so viel und so kontinuierlich wie möglich tun, sondern dass sie das, was sie tun und erleben, gemeinsam mit der Schulmentorin/dem Schulmentor bzw. der Mentorin/dem Mentor gründlich vor- und nachbereiten. Die Mentorin/der Mentor stellt der Vikarin/dem Vikar in der Gemeindephase das eigene Praxisfeld zur Verfügung und ist dort der vorrangige Ansprechpartner. Regelmäßige wöchentliche Treffen, die nicht nur dem Absprechen von Terminen und der Planung von Vorhaben, sondern auch der gemeinsamen Auswertung und Reflexion dienen, schaffen dabei eine gute Voraussetzung für erfahrungsbezogenes Lernen.

Die Regionalgruppe:

Die Regionalgruppe ist der Ort Kollegialer Beratung und der Supervision der Arbeit und Erfahrungen im Praxisfeld. Unter Leitung der Regionalmentorin treffen sich die VikarInnen etwa alle drei Wochen in der kursfreien Zeit zu Studientagen in ihrer Region. Es geht hier vor allem um eine begleitende und angeleitete Reflexion der eigenen Arbeit (Besprechung von Unterrichtsentwürfen, Predigtbesprechungen, Seelsorgeprotokollen, auch von Konflikten in den Praxisfeldern), bei der die VikarInnen durch die unterstützende und kritische Rückmeldung durch die Regionalmentorin und der Kolleginnen/Kollegen lernen können. Das Material des Lernens sind sie selbst – mit ihren Erfahrungen und mit den Ergebnissen ihrer Arbeit im Gegenüber zum Auftrag des Evangeliums. Daraus sollen sie Sicherheit gewinnen für den eigenen Weg, Pastorin oder Pastor zu sein.
Die Regionalmentorin ist zugleich Koordinatorin der Ausbildung in den Praxisfeldern. Darüber hinaus hält sie Kontakt zu allen anderen "Ausbildungsorten". Sie besucht die VikarInnen in den Praxisfeldern und steht ihnen als Beraterin zur Verfügung in allen Fragen, die während des Vikariats eine Rolle spielen.

Das Predigerseminar:

Das Predigerseminar ist der Ort theoretischer Grundlegung und Reflexion der Praxis und ihrer Methodik. Die Zeit der praktischen Tätigkeit in Schule und Gemeinde wird immer wieder unterbrochen durch Kurse, die der Rektor des Predigerseminars oder eine Referentin oder ein Referent verantwortet und unter Beteiligung der Vikarinnen und Vikare gestaltet. Die Themen der Kurse sind orientiert an den Handlungsfeldern pastoraler Praxis. In methodischer Vielfalt wird dort in den verschiedenen Themenbereichen gearbeitet und miteinander um die Grundlagen des eigenen Glaubens, Denkens und Handelns gerungen. Durch die Reflexion der eigenen Praxis in Auseinandersetzung mit theologischen und humanwissenschaftlichen Entwürfen sollen die VikarInnen ihren theologischen Standort und ihre pastorale Rolle finden und ihre eigene pastorale Identität entwickeln.

Das Predigerseminar ist auch ein Ort spiritueller Praxis. Da die Vikarinnen und Vikare oft über mehrere Wochen miteinander im Predigerseminar leben, ergibt sich die besondere Gelegenheit, die Tage mit Formen des geistlichen Lebens gemeinsam zu gestalten und zu strukturieren. Die Stiftskirche in unmittelbarer Nähe zum Predigerseminar bietet sich dazu besonders an. Auch das gemeinsame Essen, Freizeit und Erholung gehören zum Leben im Kirchlichen Bildungshaus. Die gut ausgestatteten Küchen auf jeder Etage des Bildungshauses, die kostenlose Verfügbarkeit von Fahrrädern und der berühmte Schlosspark in unmittelbarer Nähe laden dazu ein.